Ein Spielzeug, das pfeift, Musik spielt oder hupt, bereitet so manchem Kind Freude. Doch kaum jemand macht sich beim Kauf Gedanken darüber, wie laut es eigentlich ist. Manche Kinderspielzeuge erreichen dabei überraschend hohe Lärmpegel, und da Kinder sie oft direkt ans Ohr halten, lohnt es sich zu wissen, worauf man achten sollte.
Was die Studie ergab
Forscher der University of California in Irvine (UC Irvine) haben den Lärmpegel von zwei Dutzend beliebter Spielzeuge in Geschäften gemessen und die zehn lautesten davon anschließend in einer schalldichten Kabine genau vermessen. Sie stellten fest, dass alle 90 Dezibel überschritten und einige 100 und mehr erreichten, was dem Lärmpegel eines Rasenmähers oder einer U-Bahn entspricht.
Wichtig ist dabei der Kontext, der in solchen Berichten oft verloren geht: Diese Werte wurden direkt am Spielzeug gemessen. Und genau das ist der Kern des Problems. Der Geräuschpegel nimmt mit zunehmender Entfernung stark ab, sodass dasselbe Spielzeug, wenn es am Ohr und in Reichweite gemessen wird, zwei unterschiedliche Werte ergibt. Kinder halten Spielzeug jedoch an ihr Ohr und setzen sich dadurch dem höchsten Wert aus.
Warum man das ernst nehmen sollte, aber ohne in Panik zu geraten
Betrachten wir die Sache einmal ausgewogen. Das normale Spielen mit einem lauten Spielzeug in Reichweite ist keine Katastrophe. Ein Risiko entsteht erst dann, wenn das Kind das laute Spielzeug wiederholt und direkt ans Ohr hält.
Hier gilt dieselbe Regel wie bei jedem Lärm: Entscheidend für die Belastung des Gehörs ist die Kombination aus Lautstärke und Dauer. Je lauter ein Geräusch ist, desto kürzer ist die Zeit, die ausreicht, um eine schädliche Wirkung zu erzielen. Eine ungeschützte Exposition gegenüber Geräuschen über etwa 85 Dezibel über einen längeren Zeitraum kann das Gehör belasten, und das Gehör von Kindern ist empfindlicher als das von Erwachsenen.
Und eines sollte man wissen: Lärmschwerhörigkeit ist irreversibel. Die Sinneszellen im Innenohr regenerieren sich nicht. Genau deshalb ist Prävention sinnvoll, insbesondere bei Kindern.
Was besagt die Norm?
Die gute Nachricht ist, dass Spielzeug, das in der Europäischen Union verkauft wird, Sicherheitsvorschriften unterliegt, darunter auch solche bezüglich des Lärms. Die Norm EN 71-1, die Teil der europäischen Sicherheitsanforderungen für Spielzeug ist, legt je nach Spielzeugart Grenzwerte für den Schalldruck fest. Sie unterscheidet beispielsweise zwischen Spielzeug, das ans Ohr gehalten wird, Tisch- und Bodenspielzeug, Spielzeug mit Knall-Effekt (Knallkapseln) oder Rasseln, wobei für jeden Typ andere Höchstwerte gelten.
Ein in der EU verkauftes Spielzeug sollte daher mit dem CE-Zeichen versehen sein, mit dem der Hersteller erklärt, dass es die geltenden Sicherheitsanforderungen, einschließlich der akustischen, erfüllt. Das ist das Erste, worauf Eltern auf der Verpackung achten sollten. Ein Problem sind vor allem billige, nicht gekennzeichnete Spielzeuge aus nicht geprüften Quellen, die diese Grenzwerte möglicherweise nicht einhalten.
So wählen Sie ein sicheres Spielzeug aus
- Achten Sie auf das CE-Zeichen und kaufen Sie bei geprüften Händlern. Nicht gekennzeichnetes Spielzeug aus zweifelhaften Quellen stellt das größte Risiko dar.
- Achten Sie auf die Position des Lautsprechers. Ein unter der Oberfläche des Spielzeugs versteckter Lautsprecher ist die bessere Wahl als ein Lautsprecher an der Außenseite, da das Material einen Teil des Geräusches dämpft.
- Machen Sie einen einfachen Test. Halten Sie das Spielzeug so, wie es ein Kind halten würde, also ans Ohr, und hören Sie genau hin. Wenn Ihnen das Geräusch unangenehm ist, ist es für das Kind wahrscheinlich zu laut.
- Wenn möglich, drehen Sie die Lautstärke herunter. Manche Spielzeuge verfügen über einen Lautstärkeregler, oder man kann den Lautsprecher mit einem Stück Klebeband abdecken, wodurch die Lautstärke verringert wird.
- Beachten Sie die Altersempfehlung, die auf der Verpackung angegeben ist.
Zusammenfassung
- Manche Kinderspielzeuge erreichen am Ohr 90 bis 100 Dezibel.
- Die gemessenen Werte gelten direkt am Spielzeug; bei etwas Abstand sind sie deutlich niedriger.
- Das Risiko entsteht, wenn ein lautes Spielzeug wiederholt ans Ohr gehalten wird; entscheidend sind dabei die Lautstärke und die Dauer.
- Spielzeug unterliegt in der EU der Norm EN 71-1. Achten Sie auf die CE-Kennzeichnung auf der Verpackung.
- Ein versteckt angebrachter Lautsprecher, ein einfacher Test am Ohr und die Lautstärkeregelung helfen dabei, eine sicherere Wahl zu treffen.
Quelle: University of California – Irvine, „Forscher mahnen zur Vorsicht beim Kauf von lauten Spielzeugen“, ScienceDaily, 2011.