Lärm nehmen wir meist nur als vorübergehende Belästigung wahr. Tatsächlich hat er jedoch messbare und langfristige Auswirkungen auf die Gesundheit, die seit Jahrzehnten untersucht werden. Wir haben zehn Erkenntnisse zusammengestellt, die durch seriöse Quellen – von der Weltgesundheitsorganisation bis zur Europäischen Umweltagentur – gut belegt sind. Ohne Übertreibungen – nur das, was die Wissenschaft tatsächlich sagt.
Lärm und Gehör
1. Lärm ist eine der Hauptursachen für vermeidbaren Hörverlust. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation ist lärmbedingter Hörverlust weltweit verbreitet und zugleich vollständig vermeidbar. Im Gegensatz zum altersbedingten Hörverlust lässt er sich durch Schutz vor übermäßigem Lärm vermeiden.
2. Ein großer Teil der Jugendlichen ist dem Risiko ausgesetzt, durch lautes Hören über Kopfhörer Hörschäden zu erleiden. Die WHO schätzt, dass weltweit mehr als eine Milliarde Jugendliche durch gefährliche Musikgewohnheiten und laute Unterhaltungsumgebungen von einem Hörverlust bedroht sind. Es geht nicht darum, dass sie bereits taub sind, sondern dass sie einem Risiko ausgesetzt sind, das sich erst später bemerkbar macht.
3. Lärmschäden sind irreversibel. Die Sinneszellen im Innenohr regenerieren sich nach einer Schädigung nicht. Daher lässt sich ein durch Lärm verursachter Hörverlust nur verhindern, nicht aber heilen. Das ist auch der Grund, warum Lärmprävention so wichtig ist.
Lärm und das Herz
4. Langfristiger Verkehrslärm erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Dies ist eine der am besten belegten Erkenntnisse. Laut Übersichtsarbeiten der WHO ist eine langfristige Belastung durch Verkehrslärm mit einem erhöhten Risiko für Bluthochdruck und ischämische Herzerkrankungen verbunden.
5. Lärm belastet den Körper auch im Schlaf. Der Körper reagiert auf Lärm mit einer Stressreaktion, auch wenn man ihn nicht bewusst wahrnimmt, beispielsweise nachts. Wiederholtes, auch unbewusstes Aufwachen erhöht den Spiegel der Stresshormone, und dies ist der Mechanismus, über den Lärm auf Herz und Gefäße wirkt.
6. Verkehrslärm trägt zu vorzeitigen Todesfällen in Europa bei. Nach Angaben der Europäischen Umweltagentur gehört langfristiger Verkehrslärm zu den Umweltrisiken mit erheblichen Auswirkungen auf die Gesundheit und trägt in Europa jährlich zu Zehntausenden von Fällen ischämischer Herzerkrankungen und zu Tausenden von vorzeitigen Todesfällen bei. Lärm ist also nicht nur eine Frage des Komforts, sondern auch der öffentlichen Gesundheit.
Lärm, Schlaf und Psyche
7. Schlafstörungen gehören zu den schwerwiegendsten Folgen von Lärm. Die WHO bezeichnet Schlafstörungen als eine der bedeutendsten Auswirkungen von Umgebungslärm auf die Gesundheit. Schlechter Schlaf führt zu Müdigkeit, schlechter Laune, Konzentrationsschwierigkeiten und beeinträchtigt auch die langfristige Gesundheit.
8. Lärm beeinträchtigt die Konzentrationsfähigkeit und das Gedächtnis von Kindern. Langzeitstudien mit Kindern, die in der Nähe von Flughäfen leben – beispielsweise die bekannte Studie am Flughafen München – haben gezeigt, dass eine chronische Belastung durch Fluglärm mit einer Verschlechterung des Leseverständnisses und des Gedächtnisses einhergeht. Ruhe in der Schule und zu Hause ist kein Luxus, sondern eine Voraussetzung für das Lernen.
Geräuschentwicklung und Leistung
9. Störende Gespräche in der Umgebung beeinträchtigen die Arbeitsleistung. Eine klassische Studie aus dem Bereich der Arbeitspsychologie (Banbury und Berry) hat gezeigt, dass Hintergrundgeräusche, insbesondere Gespräche und klingelnde Telefone in Großraumbüros, die Fähigkeit, sich auf anspruchsvolle Aufgaben mit Gedächtnisanforderungen zu konzentrieren, erheblich beeinträchtigen. Dabei geht es nicht um die Lautstärke, sondern darum, dass das Gehirn Sprache automatisch verarbeitet und dadurch die Aufmerksamkeit abgelenkt wird.
10. Eine unübersichtliche Umgebung verstärkt die Ermüdung. In einer lauten Umgebung erheben Menschen unbewusst die Stimme, wiederholen sich und strengen sich mehr an, um sich verständlich zu machen. Dies gilt insbesondere für Berufe, die auf die Stimme angewiesen sind, beispielsweise Lehrer, die in lauten Klassenzimmern häufiger unter Stimmproblemen leiden. Die Folge sind eine höhere Ermüdung und eine geringere Leistungsfähigkeit.
Was man daraus mitnehmen kann
Der gemeinsame Nenner der meisten dieser Erkenntnisse ist nicht extremer Lärm in der Fabrik, sondern alltäglicher, langanhaltender Lärm, der uns umgibt: Verkehr, laute Wohnumgebung, Großraumbüros. Genau deshalb ist es sinnvoll, sich damit auseinanderzusetzen, auch wenn er nicht „so laut“ ist. Es handelt sich nicht um ein einmaliges Trauma, sondern um eine langfristige Belastung.
Die gute Nachricht ist, dass man etwas dagegen tun kann – sei es durch Lärmreduzierung an der Quelle, durch Schallisolierung der Räume oder durch eine Optimierung der Akustik. Wenn Sie zu Hause oder am Arbeitsplatz unter Lärm leiden, beraten wir Sie gerne, woher der Lärm kommt und was dagegen hilft.
Quellen: Weltgesundheitsorganisation (Environmental Noise Guidelines for the European Region, 2018; Make Listening Safe), Europäische Umweltagentur (Environmental noise in Europe), Banbury & Berry (1998), Längsschnittstudien zum Fluglärm (München). Konkrete Quellenangaben stellen wir auf Anfrage gerne zur Verfügung.