Vielleicht haben Sie schon einmal von weißem Rauschen gehört. Wussten Sie jedoch, dass es auch rosa, braunes und einige weitere farbige Rauschen gibt? Das sind nicht nur Marketingbegriffe – hinter jeder „Farbe“ verbirgt sich ein konkreter physikalischer Unterschied. Lassen Sie uns erklären, worin sie sich unterscheiden und was man tatsächlich von ihnen erwarten kann.
Was haben Farben gemeinsam und worin besteht der Unterschied?
Die Bezeichnungen für die verschiedenen Arten von Rauschen leiten sich aus einer Analogie zum Licht ab. So wie weißes Licht alle Farben enthält, enthält weißes Rauschen alle Frequenzen. Die anderen „Farben“ entstehen dadurch, dass bestimmte Teile des Spektrums verstärkt und andere unterdrückt werden – genau wie bei farbigem Licht.
Der Unterschied zwischen den verschiedenen Geräuschen liegt also darin, wie sich die Energie über die Frequenzen verteilt. Das bestimmt, ob das Geräusch scharf und zischend oder tief und dröhnend klingt.
Weißes Rauschen
Weißes Rauschen enthält alle Frequenzen mit gleicher Energie, d. h. es weist eine flache Spektraldichte auf. Zischlaute sind darin ebenso stark vertreten wie tiefe Töne.
Da das menschliche Ohr für höhere Frequenzen empfindlicher ist, klingt weißes Rauschen für uns relativ scharf und zischend. Es erinnert an das Rauschen eines alten Fernsehers ohne Signal, eines lauten Ventilators oder eines Staubsaugers.
Viele Menschen berichten, dass weißes Rauschen ihnen hilft, einzuschlafen oder sich zu konzentrieren, da es plötzliche Störgeräusche aus der Umgebung überdeckt. Es funktioniert nach dem Prinzip der Maskierung: Es unterdrückt die Umgebungsgeräusche nicht, sondern verringert deren Störwirkung, indem es sie in einem gleichmäßigen Hintergrund „versteckt“.
Rosa Rauschen
Bei rosa Rauschen ist die Energie so verteilt, dass sie mit steigender Frequenz abnimmt (etwa um 3 dB pro Oktave). Die tieferen Frequenzen sind darin ausgeprägter als die hohen, sodass es weicher und angenehmer klingt als weißes Rauschen und weniger zischend wirkt.
Genau deshalb empfinden ihn viele Menschen als natürlicher. Rosa Rauschen ähnelt gleichmäßigem Regen, dem Rauschen des Windes in den Baumkronen oder den Wellen am Strand. Viele bevorzugen es daher zum Schlafen und Entspannen.
Braunes Rauschen
Braunes Rauschen (auch als rotes Rauschen bezeichnet) weist einen noch steileren Frequenzabfall auf als rosa Rauschen (etwa 6 dB pro Oktave). Das bedeutet, dass die tiefen Töne deutlich überwiegen und das Rauschen dröhnend und basslastig klingt.
Sein Name leitet sich nicht von der Farbe ab, sondern von Robert Brown und seiner „Brownschen Bewegung“, daher wäre „Brownsches Rauschen“ die genauere Bezeichnung. Es klingt wie ein tiefes Brummen, ein kräftiger Wasserfall oder das Rauschen eines heftigen Regenschauers. Menschen, denen weißes Rauschen zu schrill erscheint, greifen oft gerade zu braunem Rauschen.
Weitere Rauschfarben
- Blaues Rauschen ist das Gegenteil von rosa Rauschen: Die Frequenz der Energie steigt an, sodass es scharf und zischend klingt, noch durchdringender als weißes Rauschen.
- Violettes Rauschen steigt noch steiler an als blaues, wobei der Schwerpunkt auf den höchsten Frequenzen liegt.
- Graues Rauschen ist so angepasst, dass es über das gesamte Spektrum hinweg gleich laut klingt, entsprechend der Wahrnehmung des menschlichen Ohrs. Da das Ohr bei den äußersten Frequenzen weniger empfindlich ist, verstärkt das graue Rauschen diese, damit der resultierende Eindruck ausgewogen ist. Es stimmt also nicht, dass es „keine mittleren Frequenzen enthält“ – es umfasst das gesamte Spektrum, das lediglich an die Wahrnehmung des Ohrs angepasst ist.
Was kann man realistisch von den Geräuschen erwarten?
Hier muss man ehrlich sein, denn im Internet kursieren übertriebene Behauptungen.
Was man realistischerweise erwarten kann: Vielen Menschen helfen Geräusche subjektiv dabei, leichter einzuschlafen und sich besser zu konzentrieren, insbesondere in Umgebungen, in denen gelegentlich störende Geräusche auftreten. Der Mechanismus dahinter ist die Maskierung, also das Überdecken störender Geräusche durch ein gleichmäßiges Hintergrundgeräusch. Dies ist der am besten belegte und häufigste Grund, warum Menschen Geräusche nutzen.
Was man mit Vorsicht genießen sollte: Behauptungen, dass Geräusche „Tinnitus heilen“, „ADHS lindern“ oder „das Denkvermögen verbessern“, sind sehr mit Vorsicht zu genießen. Manchen Menschen verschaffen sie subjektiv Linderung, doch die wissenschaftlichen Belege sind schwach und nicht eindeutig, und es handelt sich definitiv nicht um eine Behandlung. Wenn Sie unter Tinnitus oder Aufmerksamkeitsproblemen leiden, können Geräusche höchstens eine Ergänzung sein, jedoch kein Ersatz für fachliche Hilfe.
Wichtiger Hinweis bezüglich Kindern
Geräte mit weißem Rauschen für Babys sind beliebt, sollten jedoch mit Bedacht eingesetzt werden. Einige können bei voller Lautstärke die für das empfindliche kindliche Gehör unbedenklichen Pegel überschreiten. Daher gilt:
- Stellen Sie das Gerät so weit wie möglich vom Kinderbett entfernt auf, nicht direkt neben dem Kopf des Kindes,
- Stell die Lautstärke auf niedriger ein, nicht auf voll,
- Lass es nicht die ganze Nacht laufen, es reicht zum Einschlafen.
Wenden Sie sich im Zweifelsfall an Ihren Kinderarzt.
Und wenn Sie der tatsächliche Lärm stört
Farbrauschen kann störende Geräusche überdecken, beseitigt jedoch nicht deren Ursache. Wenn Sie unter Lärm von Nachbarn, von der Straße oder aus dem Betrieb leiden, ist das Überdecken nur eine Notlösung. Eine dauerhafte Lösung besteht darin, den Lärm an der Quelle zu reduzieren oder den Raum schallisolieren zu lassen. Wenn Sie ein solches Problem haben, beraten wir Sie gerne.
Zusammenfassung
- Die Farben der Rauschkurven zeigen an, wie sich die Energie über die Frequenzen verteilt.
- Weißes Rauschen klingt scharf, rosa Rauschen weicher, braunes Rauschen dröhnend und basslastig.
- Graues Rauschen ist auf die Wahrnehmung des Ohrs abgestimmt und umfasst das gesamte Spektrum einschließlich der Mitten.
- Weißes Rauschen eignet sich am besten dazu, störende Geräusche beim Schlafen und beim Konzentrieren zu überdecken.
- Behandeln Sie Behauptungen zur Behandlung von Tinnitus oder ADHS mit Vorsicht und achten Sie bei Kindern auf die Lautstärke.