27. 01. 2023 - Alles

Schallschutz im Wartezimmer: Privatsphäre der Patienten und Ruhe im Raum

Der Warteraum weist gleich zwei akustische Probleme auf, doch die meisten Lösungen berücksichtigen nur eines davon.

Erstens: Aus dem Sprechzimmer ist zu hören, was der Patient dem Arzt sagt. Das ist eine Frage der Schalldämmung, also davon, wie viel Schall durch die Wände und Türen dringt.

Zweitens: Der Warteraum selbst ist laut und unangenehm. Harte Böden, kahle Wände und Glas sorgen für einen langen Nachhall, in dem jedes Geräusch widerhallt. Das ist eine Frage der Raumakustik, also der Schallabsorption der Oberflächen.

Das sind zwei verschiedene Dinge, die unterschiedliche Lösungen erfordern. Akustikplatten an den Wänden des Wartezimmers verhindern nicht, dass man Gespräche aus dem Sprechzimmer hören kann. Und selbst das am besten schallisolierte Sprechzimmer hilft nichts, wenn im Wartezimmer ein Kind weint.

Warum sollte man sich damit befassen?

Die Privatsphäre des Patienten. Angaben zum Gesundheitszustand gehören zu den besonderen Kategorien personenbezogener Daten, und das medizinische Personal unterliegt der Schweigepflicht. Wenn man vom Wartezimmer aus hören kann, mit welcher Diagnose ein Patient gekommen ist und welche Medikamente er einnimmt, lässt sich diese Pflicht nur schwer erfüllen. Eine akustische Abschirmung der Ambulanz wird daher als Teil angemessener technischer Maßnahmen zum Schutz der Patientendaten empfohlen.

Die Patienten nehmen das wahr. Wenn man weiß, dass man im Wartezimmer gehört wird, spricht man weniger und weniger präzise. Das ist sowohl für den Arzt als auch für den Patienten ein Problem. Und bei der Wahl einer Arztpraxis spielt das Gefühl der Privatsphäre eine größere Rolle, als man gemeinhin annimmt.

Stress vor der Untersuchung. Das Geräusch des Zahnarztbohrers, die Stimmen aus der Praxis und der Lärm im überfüllten Wartezimmer verstärken die Anspannung bei Menschen, die ohnehin schon nervös sind. Eine ruhige Umgebung löst das Problem zwar nicht, mildert die Situation aber deutlich.

Personal. Eine Rezeption in einem lauten Wartezimmer bedeutet, dass die Krankenschwester den ganzen Tag über ihre Stimme erheben muss, um gehört zu werden. Das führt zu Ermüdung und einer Belastung der Stimme, die sich nur durch akustische Maßnahmen beheben lässt.

Erster Teil: Damit man nichts aus der Ambulanz hört

Schwachstellen nach Wichtigkeit geordnet

Türen. Herkömmliche Innentüren weisen eine Schalldämmung von etwa 20 dB auf, was in der Praxis bedeutet, dass man hinter ihnen gesprochene Worte verstehen kann. Entscheidend ist dabei die Dichtung, nicht nur das Türblatt selbst. Türen mit einem Spalt am Boden lassen Schall auch dann durch, wenn das Türblatt hervorragende Eigenschaften aufweist. Wenn die Türen aus brandschutztechnischen oder hygienischen Gründen nicht ausgetauscht werden können, sorgen zumindest eine umlaufende Dichtung und eine Schwelle für einen spürbaren Unterschied.

Trennwand. Eine Gipskarton-Trennwand ohne Mineralwolle-Füllung ist eine häufige Ursache für das Problem. Die Lösung besteht darin, die Füllung nachzurüsten oder gegebenenfalls eine vorgesetzte Konstruktion mit elastischen Befestigungselementen anzubringen. Bei gemauerten Trennwänden reicht es in der Regel aus, die übrigen Schwachstellen zu beheben.

Durchführungen und Installationen. Gegenüberliegende Steckdosen in derselben Trennwand, undichte Kabel- und Leitungsdurchführungen, eine Fuge an der Decke über der abgehängten Decke. Dies sind die kostengünstigsten Maßnahmen mit der größten Wirkung und in älteren Ambulanzen oft die Hauptursache.

Lüftungstechnik. Wenn die Rohrleitung vom Behandlungsraum in den Warteraum verläuft, entsteht ein direkter Schallweg. Das Gleiche gilt für den gemeinsamen Raum über der abgehängten Decke, wenn die Decke über der Trennwand nicht abgeschlossen ist. Abhilfe schaffen Schalldämpfer und das Verlängern der Trennwand bis zur tragenden Decke.

Empfangstheke. Ein Ort, an dem Name, Personalausweisnummer und Grund des Besuchs laut ausgesprochen werden, während hinter dem Rücken zehn Personen sitzen. Akustisch ist das schwer zu lösen, aber eine schallabsorbierende Fläche über der Theke, Trennwände und vor allem organisatorische Maßnahmen helfen: Angaben schriftlich oder über das System statt laut.

Teil 2: Damit es im Wartezimmer nicht zu laut wird

Ein typischer Warteraum ist akustisch gesehen das Schlimmste, was man sich vorstellen kann. Fliesen, abwaschbare Wände, Glasflächen und ein Minimum an Textilien. Es gibt nichts, was den Schall dämpfen könnte, der Nachhall ist lang und der Geräuschpegel steigt mit der Anzahl der Personen schneller an, als man erwarten würde.

Das wird durch schallabsorbierende Flächen gelöst:

  • Eine Akustikdecke ist am wirksamsten, da die Decke in der Regel die größte freie Fläche darstellt und niemand um diese konkurriert.
  • Wandpaneele an Stellen, an denen an der Decke kein Platz ist oder an denen die Schallabsorption in einer niedrigeren Ebene ergänzt werden muss.
  • Schallwände und Aufhängevorrichtungen bei hohen Decken.

Achten Sie bei der Auswahl auf den Schallabsorptionsgrad α_w und die Absorptionsklasse gemäß EN ISO 11654, nicht auf das Aussehen. Eine Platte ohne angegebenen Wert dient lediglich der Dekoration.

Wie viel davon benötigt wird: Als Richtwert gilt eine Abdeckung von 20 bis 30 % der Raumfläche, je nach Raumvolumen und aktuellem Zustand. Angestrebt wird eine Nachhallzeit im Bereich von etwa 0,6 bis 0,8 s; der genaue Wert ergibt sich aus einer Berechnung auf Basis des Raumvolumens.

Zum Gesundheitswesen gehören darüber hinaus Materialien, die gereinigt und desinfiziert werden können und über eine nachgewiesene Brandklasse gemäß EN 13501-1 verfügen. Nicht jede Akustikplatte erfüllt diese Bedingungen.

Tonaufbereitung

In Arztpraxen und Kliniken im Ausland wird üblicherweise Geräuschmaskierung eingesetzt: ein System aus kleinen Lautsprechern in der abgehängten Decke, das ein leises Breitbandrauschen in den Raum abgibt. Dadurch wird der Ton zwar nicht vollständig unterdrückt, aber die Verständlichkeit der aus der Praxis kommenden Sprache wird verringert. Man hört zwar, dass ein Gespräch stattfindet, versteht aber die Worte nicht.

Diese Lösung ergänzt bauliche Maßnahmen besonders dort gut, wo Trennwände und Türen nicht ausgetauscht werden können. Bei uns ist sie bislang noch nicht weit verbreitet, im Gesundheitswesen ist sie jedoch sinnvoll.

Was funktioniert nicht?

  • Akustikplatten gegen Schallübertragung aus der Praxis. Schallabsorption und Schalldämmung sind zwei unterschiedliche Größen. Die Platten dienen dazu, den Nachhall im Raum zu dämpfen, nicht jedoch den Schall, der durch die Wand dringt.
  • Laute Musik im Wartezimmer. Sowohl die Patienten als auch das Personal werden lauter sprechen, und der resultierende Geräuschpegel wird höher sein als zuvor. Wenn schon Musik, dann nur sehr leise und ohne ausgeprägten Rhythmus.
  • Vorhänge und Dekotextilien als Hauptmaßnahme. Sie helfen zwar ein wenig, verfügen aber weder über die Fläche noch über die Dicke, die für einen wirklichen Effekt erforderlich wären.

Zusammenfassung

  1. Unterscheiden Sie, ob es sich um die Tonübertragung aus dem Sprechzimmer oder um den Nachhall im Wartezimmer handelt.
  2. Fangen Sie mit den Türen, den Durchgängen und der Lüftungstechnik an. Das sind die Schwachstellen und in der Regel auch die kostengünstigsten Maßnahmen.
  3. Verwenden Sie zur Nachhallreduzierung schallabsorbierende Flächen mit einem angegebenen α_w-Wert, die etwa 20 bis 30 % der Gesamtfläche ausmachen sollten.
  4. Wählen Sie Materialien, die für den Einsatz im medizinischen Bereich geeignet sind, d. h. die sich reinigen lassen und über eine nachgewiesene Brandschutzklasse verfügen.
  5. Eine Rezeption lässt sich oft organisatorisch kostengünstiger gestalten als baulich.
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