22. 04. 2022 - Alles

Wie man den Hall im Raum verringert

Man betritt einen leeren Raum, sagt ein paar Worte, und der Klang scheint zurückzukommen und sich auszubreiten. Im antiken Griechenland hätte man dies der Nymphe Echo zugeschrieben, die der Legende nach von der Göttin Hera so bestraft wurde, dass sie nur noch die letzten Worte anderer wiederholen konnte. Tatsächlich steckt dahinter ganz einfache Physik, und man kann damit recht gut arbeiten.

Bevor wir zu den Lösungen kommen, sollten wir uns über eine Sache im Klaren sein, denn sie ist der Grund für die meisten unnötigen Einkäufe.

Echo oder Nachhall?

Was Sie zu Hause normalerweise erleben, ist meist kein Echo, sondern ein Nachhall. Der Unterschied ist einfach:

  • Ein Echo ist eine eigenständige, verzögerte Reflexion, die man als deutliche Wiederholung des Schalls wahrnimmt. Es entsteht bei großen Entfernungen, typischerweise in den Bergen oder in einer großen Halle, wenn der Schall mit einer Verzögerung von mehr als etwa einem Fünftel einer Sekunde zurückkehrt.
  • Nachhall ist das allmähliche Ausklingen des Schalls nach zahlreichen schnellen Reflexionen an Wänden, Decke und Boden. Das ist dieses „hallende“ Gefühl in einem leeren Raum, im Badezimmer oder im Flur.

Die Leute suchen normalerweise nach „Hall im Raum“, daher können wir diesen Begriff getrost als Synonym verwenden. Wenn wir in diesem Artikel jedoch darüber schreiben, was man zu Hause reduzieren sollte, geht es fast immer um den Nachhall. Und die gute Nachricht ist, dass man beides auf dieselbe Weise in den Griff bekommt.

Warum entsteht ein Nachhall?

Der Nachhall ist lang, wenn der Schall im Raum etwas hat, von dem er reflektiert wird, und wenig, was ihn absorbiert. Entscheidend ist nicht, ob die Oberfläche flach ist, sondern ob sie hart und nicht schallabsorbierend ist. Glas, Fliesen, Putz, Beton und unverputzte Wände reflektieren den Schall. Textilien, Teppiche, Polster und poröse Materialien absorbieren ihn und wandeln ihn in Wärme um.

Deshalb hallen vor allem Flure, Badezimmer, Küchen mit Fliesenboden und große Räume mit möglichst wenig weichen Einrichtungsgegenständen besonders stark nach. In ihnen gibt es nichts, was den Schall dämpfen könnte.

Wie lässt sich der Nachhall verringern?

Die Lösung ist immer dieselbe: Man muss den Raum mit schallabsorbierenden Flächen ausstatten. Sie unterscheiden sich lediglich in ihrer Wirksamkeit und darin, wie viele davon benötigt werden.

Textile Einrichtungsgegenstände: Teppich, Vorhänge, Polster

Der einfachste erste Schritt, den jeder schaffen kann. Ein Teppich, dickere Vorhänge mit Falten, ein gepolstertes Sofa und Textilien verkürzen den Nachhall in einem gewöhnlichen Wohn- oder Schlafzimmer spürbar.

Wichtiger Hinweis: Ein dünner Vorhang oder ein Bild an der Wand reichen nicht aus. Entscheidend sind die Dicke und die Masse des Materials, nicht nur die Tatsache, dass „es weich ist“. Ein dünner, an der Wand gespannter Stoff absorbiert nur die höchsten Frequenzen. Vorhänge sind wirksamer, wenn sie dicht sind und mit etwas Abstand zur Wand aufgehängt werden.

Was es NICHT tut: fast gar nichts

Das muss man ganz offen sagen, denn es wird oft empfohlen:

  • Leinwandbilder, Holzschnitzereien, Dekorationen. Sie sehen zwar gut aus, haben aber eine Absorptionsfähigkeit von nahezu Null. Als Lösung für den Nachhall sind sie ungeeignet.
  • Möbel ohne weiche Oberfläche. Ein leeres Bücherregal oder ein Schrank dämpfen den Nachhall nicht. Ein volles Bücherregal mit Büchern unterschiedlicher Tiefe hingegen schon – es wirkt als streuende und teilweise schallabsorbierende Fläche.
  • Ledersofa. Weniger als ein Stoffsofa. Wenn Sie sich aus akustischen Gründen entscheiden, absorbiert Stoff mehr.

Akustikplatten und abgehängte Decken

Wenn weiche Einrichtungselemente nicht ausreichen oder es sich um einen Raum handelt, in dem das Design eine wichtige Rolle spielt (Büro, Studio, Restaurant, Heimkino), kommen akustische Elemente zum Einsatz, die speziell auf die Schallabsorption ausgelegt sind:

  • Akustikpaneele für Wände, aus Stoff, Holzlamellen oder PET-Filz.
  • Akustikelemente und Schallwände an der Decke sind besonders wirksam, da die Decke in der Regel die größte freie Fläche darstellt.

Im Gegensatz zu Dekorationselementen verfügen diese Elemente über einen angegebenen Schallabsorptionsgrad α_w und eine Absorptionsklasse, sodass Sie im Voraus wissen, was Sie von ihnen erwarten können. Eine Platte ohne angegebenen Wert ist ein Dekorationselement und keine akustische Lösung.

Einer wichtige Punkt, damit der Artikel nicht irreführend ist: Akustikplatten sorgen nicht für Schalldämmung gegenüber den Nachbarn. Sie verkürzen zwar den Nachhall in Ihrem Raum, dämpfen aber nicht den Schall, der von den Nachbarn durch die Wand dringt. Das ist ein ganz anderes Thema. Wenn Sie Ihre Nachbarn hören, brauchen Sie Schalldämmung, keine Akustikplatten.

Wie viel braucht man davon?

Als Faustregel gilt, dass je nach Größe und aktuellem Zustand des Raums etwa 20 bis 30 % der Fläche mit schallabsorbierenden Flächen bedeckt werden sollten. Die genaue Menge lässt sich aus dem Raumvolumen und der angestrebten Nachhallzeit berechnen.

Vorsicht vor zwei Extremen. Zu wenig schallabsorbierende Fläche verkürzt den Nachhall nicht spürbar. Zu viel macht den Raum „dumpf“ und unangenehm, sodass man sich schlecht unterhalten kann und unbewusst lauter spricht. Das Ziel ist ein angenehmes Gleichgewicht, nicht maximale Dämpfung.

Zusammenfassung

  1. Was Sie zu Hause erleben, ist meist ein Nachhall, kein Echo. Das lässt sich durch den Einbau von schallabsorbierenden Flächen beheben.
  2. Entscheidend ist die Härte der Oberfläche, nicht ihre Ebenheit. Harte Oberflächen reflektieren, weiche absorbieren.
  3. Ein erster kostengünstiger Schritt sind Teppiche, dichte Vorhänge und Polster.
  4. Bilder und Dekorationen dämpfen den Nachhall nicht. Wirksam sind Materialien mit ausgewiesener Schallabsorption.
  5. Die Paneele verkürzen den Nachhall, schirmen Sie aber nicht von den Nachbarn ab. Das ist etwas anderes.

Wenn Ihnen der Raum zu groß erscheint und Sie wissen möchten, wie viele und welche schallabsorbierenden Elemente Sie benötigen, beraten wir Sie gerne. Je nach Raumgröße entwerfen wir eine Lösung für Sie; alternativ können Sie die Menge auch selbst mit unserem Akustikrechner grob berechnen.

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