Kopfhörer und Handys gehören schon von klein auf zum Alltag von Kindern und Jugendlichen. Das hat viele Vorteile, birgt aber auch ein Risiko, auf das die Weltgesundheitsorganisation wiederholt hinweist: Hörverlust durch zu lautes und zu langes Hören. Schauen wir uns einmal an, worum es dabei konkret geht und wie man Kinder schützen kann.
Zunächst einmal eine wichtige Anmerkung, da bei diesem Thema oft zwei verschiedene Dinge miteinander verwechselt werden:
- Laute Geräusche schädigen das Gehör. Lautes Musikhören über Kopfhörer oder bei lauten Veranstaltungen stellt eine echte Gefahr für das Gehör junger Menschen dar.
- Die Raumakustik schadet dem Gehör nicht. Nachhall und eine laute Umgebung im Klassenzimmer schädigen das Gehör zwar nicht, erschweren jedoch das Sprachverständnis, was ein anderes Problem darstellt und vor allem Kinder betrifft, die bereits schlecht hören.
Beide Themen sind wichtig, aber sie sind nicht dasselbe. Gehen wir sie der Reihe nach durch.
Was sagt die WHO?
Die WHO warnt davor, dass weltweit ein großer Teil der jungen Menschen im Alter von etwa 12 bis 35 Jahren dem Risiko eines Hörverlusts durch gefährliche Hörgewohnheiten ausgesetzt ist, d. h. durch zu laute Musik über Kopfhörer und durch laute Umgebungen wie Clubs und Konzerte. Es geht nicht darum, dass diese jungen Menschen bereits taub geworden sind, sondern darum, dass sie sich langfristig einer Belastung aussetzen, die sich erst später bemerkbar macht.
Entscheidend ist, dass ein durch Lärm verursachter Hörverlust zwar irreversibel, aber vollständig vermeidbar ist. Die Sinneszellen im Innenohr regenerieren sich nach einer Schädigung nicht, sodass das, was einmal verloren gegangen ist, nicht wieder zurückkommt. Gleichzeitig lässt sich dies durch vernünftiges Hörverhalten fast vollständig verhindern.
Warum sind Kopfhörer tückisch?
Kinder und Jugendliche achten aus mehreren Gründen nicht selbst auf die Lautstärke:
- In lauten Umgebungen sprechen sie unbewusst lauter, um die Geräusche der Umgebung zu übertönen, zum Beispiel im Bus oder auf der Straße.
- Das Gehör passt sich der Lautstärke an und nach einer Weile erscheint ihnen diese Lautstärke normal, auch wenn sie hoch ist.
- Die Schädigung verläuft schmerzlos und schleichend, sodass sie nicht merken, dass sie sich selbst schaden, und die Folgen erst nach Jahren sichtbar werden.
So schützen Sie das Gehör Ihres Kindes
Die gute Nachricht ist, dass der Schutz einfach und meist kostenlos ist.
Die 60/60-Regel. Hören Sie Musik bei maximal 60 % der Lautstärke des Geräts und legen Sie etwa alle 60 Minuten eine Pause ein. Diese Regel sorgt dafür, dass die meisten Kinder im sicheren Bereich bleiben.
Nutzen Sie die Lautstärkebegrenzung. Die meisten Smartphones und Tablets verfügen über Kindersicherungsfunktionen, mit denen sich die maximale Lautstärke begrenzen und die Einstellung mit einem Passwort schützen lässt. Außerdem gibt es Kinderkopfhörer mit integrierter Lautstärkebegrenzung.
Beachten Sie die Hinweise zur Lärmbelastung. Viele Geräte können aufzeichnen, wie laut und wie lange ein Kind Musik gehört hat, und warnen, wenn die sichere Lärmbelastung überschritten wird. Die internationalen Empfehlungen der WHO und der ITU gehen von einer Referenz-Sicherheitsgrenze von etwa 80 dB bei einer wöchentlichen Nutzungsdauer von 40 Stunden aus, wobei für besonders empfindliche Personengruppen, darunter auch Kinder, ein noch vorsichtigerer Umgang empfohlen wird.
Gehörschutz für laute Veranstaltungen. Bei Feuerwerken, Konzerten oder lauten Veranstaltungen ist Kinderohrschutz angebracht. Das Gehör von Kindern ist empfindlicher als das von Erwachsenen.
Seid ein Vorbild. Ein Kind, das sieht, wie seine Eltern ruhig zuhören und Pausen einlegen, übernimmt diese Gewohnheit ganz natürlich.
Wo eine gute Akustik hilft
Und nun zum zweiten Thema, das man nicht mit Hörverlust verwechseln sollte. Eine gute Akustik im Klassenzimmer schützt zwar nicht vor Hörverlust, trägt aber erheblich zum Verständnis bei.
In einem Raum mit langem Nachhall, in dem sich der Schall ausbreitet und vermischt, ist es schwierig, Sprache zu verstehen. Für ein Kind mit normalem Hörvermögen ist dies anstrengend, für ein Kind, das bereits schlecht hört oder Lernschwierigkeiten hat, stellt dies ein ernsthaftes Hindernis dar. Wie aus dem Weltbericht zum Gehör der WHO hervorgeht, ist eine gute Akustik für das Lernen kleiner Kinder wichtig, da sie im Gegensatz zu Erwachsenen nicht in der Lage sind, bruchstückhaft gehörte Sprache so gut zu ergänzen.
Deshalb ist in Schulen, Kindergärten und Kinderbetreuungseinrichtungen eine akustische Raumgestaltung mit schallabsorbierenden Flächen sinnvoll, die den Nachhall verkürzt und die Sprachverständlichkeit verbessert. Das ist kein Gehörschutz, sondern eine Förderung des Lernens und der Kommunikation. Und für Kinder mit Hörbeeinträchtigung ist das manchmal der entscheidende Unterschied, ob sie den Lehrer verstehen oder nicht.
Zusammenfassung
- Das Gehör junger Menschen wird durch lautes und langes Hören gefährdet, nicht durch die Raumakustik.
- Ein durch Lärm verursachter Hörverlust ist irreversibel, lässt sich jedoch fast vollständig vermeiden.
- Schützen Sie Ihre Kinder mit der 60/60-Regel, durch Lautstärkebegrenzung und mit Gehörschutz bei lauten Veranstaltungen.
- Eine gute Akustik im Klassenzimmer schützt das Gehör zwar nicht, verbessert aber das Sprachverständnis.
- Für Kinder, die bereits schlecht hören, ist eine gute Akustik besonders wichtig.
Wenn Sie sich mit der Akustik in einer Schule, einem Kindergarten oder einer Kindertagesstätte befassen, beraten wir Sie gerne, wie Sie den Nachhall verkürzen und die Sprachverständlichkeit verbessern können, damit die Kinder besser zuhören und lernen können.