Sie haben in hervorragende Lautsprecher investiert, und der Klang ist immer noch nicht ganz perfekt? Oder hallt der Raum unangenehm nach und ist die Sprachverständlichkeit schlecht? Dann kommt die Raumakustik ins Spiel, also die Art und Weise, wie sich der Schall im Raum verhält. Dies ist ein oft unterschätzter Bereich und zugleich ein Bereich, in dem man leicht zu Lösungen greift, die nicht so funktionieren, wie sie versprechen.
Wir stellen Ihnen die sieben häufigsten Mythen über die Raumakustik vor und erklären, wie es tatsächlich aussieht.
Mythos Nr. 1: Für eine gute Akustik reichen Teppiche und Vorhänge aus
Teppiche und Vorhänge helfen zwar, sind aber nur eine Teillösung. Sie absorbieren vor allem hohe Frequenzen, sodass der Raum zwar etwas weniger schrill klingt, im mittleren Frequenzbereich und vor allem bei den Bässen jedoch kaum etwas bewirken. Für eine echte Optimierung der Akustik braucht es schallabsorbierende Elemente mit ausgewiesener Absorptionsfähigkeit, die richtig platziert sind. Teppiche und Vorhänge sind ein guter erster Schritt, aber keine Komplettlösung.
Mythos Nr. 2: Schalldämmung bedeutet gute Akustik
Dies ist die häufigste Verwechslung überhaupt. Schalldämmung ist nicht dasselbe wie akustische Gestaltung. Die Schalldämmung verhindert, dass Schall zwischen Räumen übertragen wird, d. h., sie regelt, was durch die Wand von den Nachbarn herüberkommt. Die akustische Gestaltung regelt, wie der Schall im Raum klingt, also die Reflexionen und den Nachhall.
Das sind zwei verschiedene Dinge. Außerdem gilt: Je besser Sie den Raum schallisolieren, desto deutlicher kann sich das Problem mit den Bässen im Raum bemerkbar machen, da die tiefen Frequenzen im Raum „gefangen“ bleiben und separat mit Bassabsorbern bekämpft werden müssen.
Mythos Nr. 3: Kräftige Bässe lassen sich ganz einfach elektronisch „optimieren“
Die Bässe sind der schwierigste Teil der Akustik. Aufgrund ihrer großen Wellenlänge entstehen im Raum Stellen, an denen die Bässe dröhnen, und Stellen, an denen sie fast fehlen. Kein Equalizer und keine „Spielerei“ im Abspielgerät kann das Problem lösen, da die Elektronik lediglich die Gesamtlautstärke der Bässe verändert, nicht jedoch deren ungleichmäßige Verteilung im Raum.
Der Bass wird physikalisch geregelt: durch Bassfallen in den Ecken des Raums, durch die richtige Aufstellung der Lautsprecher und die Position des Zuhörers sowie durch die Anpassung des Raums. Das lässt sich durch Elektronik nicht ersetzen.
Mythos Nr. 4: Eine akustische Gestaltung macht einen Raum zu einem „toten“ und unangenehmen Ort
Das ist eine berechtigte Sorge, die jedoch bei richtiger Planung nicht zutrifft. Der Fehler, den es zu vermeiden gilt, ist genau das Gegenteil dessen, was die meisten Menschen befürchten: Wenn man nur dünnes, schallabsorbierendes Material an die Wände bringt, absorbiert dieses lediglich hohe Frequenzen, der Raum verliert an „Luft“, die Bässe bleiben unbehandelt und das Ergebnis klingt dunkel und leblos.
Eine gute Akustikplanung zielt daher nicht auf maximale Absorption ab, sondern auf Ausgewogenheit. Sie kombiniert absorbierende Flächen für verschiedene Frequenzbänder mit diffusen Elementen, die den Schall streuen, anstatt ihn zu absorbieren, sodass der Raum lebendig und angenehm bleibt. Das Ziel ist ein ausgewogener und natürlicher Klang, nicht die Stille wie in einer Kammer.
Mythos Nr. 5: Akustische Maßnahmen sehen nicht gut aus
Früher mag das vielleicht gegolten haben, heute ist das nicht mehr der Fall. Moderne Akustikpaneele und -elemente werden in einer Vielzahl von Designs, Farben und Materialien hergestellt – von Holzlamellen bis hin zu Stoff- und Filzpaneelen –, sodass sie sich harmonisch in die Raumgestaltung einfügen oder als gestalterisches Element eingesetzt werden können. Ästhetik und Funktion schließen sich heute nicht mehr gegenseitig aus.
Mythos Nr. 6: Akustik ist immer teuer
Das muss nicht unbedingt so sein. Die Lösungen liegen in verschiedenen Preisklassen, und es ist nicht immer notwendig, den gesamten Raum zu behandeln. Oft reicht es aus, sich auf die Schlüsselstellen zu konzentrieren, also die ersten Reflexionspunkte und Ecken, und so mit einem angemessenen Budget eine große Wirkung zu erzielen. Wichtig ist, zu wissen, wo man die schallabsorbierenden Elemente platzieren muss, und nicht, so viele wie möglich davon anzubringen.
Mythos Nr. 7: Ich kann alles anhand von Anleitungen aus dem Internet selbst lösen
Im Internet finden Sie Erklärungen zu den Grundlagen, was nützlich ist, und einen Teil davon können Sie tatsächlich selbst bewältigen. Bei anspruchsvolleren Räumen wie Aufnahmestudios, Heimkinos oder problematischen Räumen reagiert jedoch jeder Raum je nach seinen Abmessungen und seiner Form anders. Dort lohnt sich eine Berechnung oder eine Beratung, damit Sie nicht blind investieren. Die Menge der schallabsorbierenden Fläche lässt sich auch mit einem Akustikrechner grob berechnen.
Zusammenfassung
- Teppiche und Vorhänge helfen zwar, lösen aber weder das Problem der Bässe noch decken sie das gesamte Frequenzspektrum ab.
- Wärmedämmung und Akustik sind zwei verschiedene Dinge.
- Den Bass lässt sich nicht durch Elektronik lösen, sondern durch Bassfallen und Raumakustik.
- Ein guter Entwurf zielt auf Ausgewogenheit ab, nicht auf einen „toten“ Raum.
- Akustikelemente sehen heutzutage gut aus und müssen nicht teuer sein, wenn sie richtig platziert werden.
Wenn Sie sich mit der Raumakustik beschäftigen und nicht wissen, wo Sie anfangen sollen, beraten wir Sie gerne. Je nach Größe und Nutzung des Raums entwerfen wir eine Lösung, und die Anzahl der schallabsorbierenden Elemente können Sie mithilfe unseres Akustikrechners grob berechnen.