Wie laut kann ein Geräusch überhaupt sein? Die Antwort ist überraschend, denn es gibt eine physikalische Obergrenze, die die „Lautstärke“ in der Luft nicht überschreiten kann. Und das lauteste jemals aufgezeichnete Ereignis in der Geschichte kam dieser Obergrenze so nahe, dass es bis ans andere Ende der Welt zu hören war.
Krakatau, 1883
Das lauteste Geräusch in der aufgezeichneten Geschichte stammt von einem Vulkanausbruch auf der indonesischen Insel Krakatau. Die Explosion ereignete sich am 27. August 1883 und war so stark, dass sie den Zusammenbruch eines Großteils der Insel verursachte und Tsunami-Wellen mit einer Höhe von bis zu 46 Metern auslöste.
Die Explosion war angeblich bis in eine Entfernung von etwa 4.800 km zu hören. Menschen auf der Insel Rodrigues im Indischen Ozean, Tausende Kilometer entfernt, beschrieben das Geräusch als entfernten Artilleriefeuer. Es ist eines der am weitesten entfernten Geräusche, die Menschen jemals von seiner Quelle aus gehört haben.
In einer Entfernung von 160 km vom Vulkan, in der Stadt Batavia (dem heutigen Jakarta), registrierten die Messgeräte einen Druckanstieg, der einem Pegel von etwa 172 Dezibel entsprach. Dies ist der Wert, der in 160 Kilometern Entfernung gemessen wurde; direkt am Vulkan war er unvorstellbar höher.
Und noch ein Detail, das die Wucht der Explosion verdeutlicht: Die Druckwelle der Eruption umrundete die Erde mehrmals, und Barographen auf der ganzen Welt registrierten sie noch einige Tage nach der Explosion.
Warum gibt es eine Lautstärkebegrenzung?
Hier kommen wir nun zum interessantesten Teil. Schall breitet sich in der Luft als Wechsel von höherem und niedrigerem Druck aus, also als Verdichtung und Verdünnung der Luft. Je lauter der Schall, desto größer ist der Unterschied zwischen dem Scheitel und dem Tal dieser Welle.
Allerdings kann der Druck nicht unter Null sinken, denn unterhalb des absoluten Vakuums gibt es nichts mehr. Und genau dort liegt die Grenze: Bei einem Pegel von etwa 194 Dezibel erreicht der Druckabfall in der Welle das absolute Vakuum. Oberhalb dieses Wertes handelt es sich nicht mehr um „Schall“ im üblichen Sinne, sondern um eine Stoßwelle, also eine Druckwand aus sich bewegender Luft.
Daher kann man nicht sinnvoll behaupten, dass der Schall in der Luft „310 Dezibel“ betrage. Oberhalb von 194 dB verliert der Begriff des Schalldruckpegels seine Bedeutung, da es sich nicht mehr um klassische Schallwellen handelt, sondern um ein anderes physikalisches Phänomen. Der Ausbruch des Krakatau näherte sich dieser Obergrenze so sehr, dass es in seiner Nähe nicht mehr um Schall ging, sondern um eine zerstörerische Druckwelle.
Was bedeutet das im Vergleich zu gewöhnlichen Geräuschen?
Um diese Zahlen einordnen zu können, sei daran erinnert, dass die Dezibel-Skala logarithmisch ist. Ein Anstieg um 10 dB bedeutet etwa das Zehnfache der akustischen Energie und eine etwa doppelt so hohe wahrgenommene Lautstärke. Das bedeutet, dass der Unterschied zwischen gewöhnlichem Lärm und Werten nahe der physikalischen Obergrenze nicht „etwas mehr“ beträgt, sondern ein astronomisches Vielfaches an Energie.
Ein paar Zahlen zur Veranschaulichung:
- ruhiger Raum: ca. 30 dB,
- normales Gespräch: ca. 60 dB,
- belebte Straße: ca. 80 dB,
- Schmerzschwelle: etwa 120 dB,
- Physikalische Schallobergrenze in der Luft: ca. 194 dB.
Zwischen der Schmerzschwelle und der Lautstärkenobergrenze besteht also noch ein riesiger Energieunterschied, auch wenn es in Zahlen „nur“ wie 120 gegenüber 194 aussieht.
Und was ist mit anderen lautstarken Ereignissen?
Krakatau hält den Rekord unter den dokumentierten Geräuschen, doch in der jüngeren Geschichte gab es auch vergleichbare Ereignisse. Der Ausbruch des Vulkans Hunga Tonga im Pazifik im Jahr 2022 löste ebenfalls eine Druckwelle aus, die die Erde umrundete und weltweit registriert wurde. Auch diese erreichte mit ihrer Wucht außergewöhnliche Werte, doch als lautestes eindeutig dokumentiertes Ereignis gilt bis heute der Krakatau.
Zusammenfassung
- Das lauteste jemals dokumentierte Ereignis in der Geschichte ist der Ausbruch des Krakatau im Jahr 1883.
- Die Explosion war bis in eine Entfernung von etwa 4.800 km zu hören, und ihre Druckwelle umrundete die Erde.
- In einer Entfernung von 160 km vom Vulkan wurden etwa 172 dB gemessen.
- Der Schall in der Luft hat eine physikalische Obergrenze von etwa 194 dB. Oberhalb dieser Grenze handelt es sich bereits um eine Stoßwelle.
- Die Dezibel-Skala ist logarithmisch, sodass Unterschiede in der Lautstärke in Wirklichkeit enorme Energievervielfachungen darstellen.