25. 11. 2020 - Alles

Warum ist die Akustik in Coworking-Spaces so schlecht

Die Akustik in Großraumbüros und Coworking-Spaces ist oft wirklich schlecht, hat aber einen direkten Einfluss auf die Arbeit der Menschen, die diese Räume nutzen. Schlechte Akustik beeinträchtigt Telefonkonferenzen, lenkt bei konzentrierter Arbeit ab und mindert das allgemeine Wohlbefinden. Ein unzufriedenes Coworking-Mitglied wird sich früher oder später einen ruhigeren Ort suchen. Warum weisen Großraumbüros also so oft eine schlechte Akustik auf?

Grund Nr. 1: modernes Design

Die meisten heutigen Coworking-Spaces zeichnen sich durch ein elegantes, von Designern entworfenes Interieur aus. Doch glatte Betonoberflächen, Glas, Fliesen und eine minimalistische Einrichtung ohne Textilien sind akustisch gesehen die schlechteste Wahl, die man treffen kann. Der Schall wird von den harten Oberflächen reflektiert, hallt lange nach und es entsteht ein lang anhaltender Nachhall, der nicht gedämpft werden kann.

Genau dieser Nachhall ist der Kern des Problems. Je länger der Schall im Raum nachhallt, desto stärker überlagern sich die einzelnen Geräusche, der Geräuschpegel steigt an und die Sprache wird unverständlich.

Grund Nr. 2: Die Akustik wird erst ganz am Ende berücksichtigt

Ein weiterer Grund ist, dass die Akustik bei der Raumgestaltung oft unterschätzt wird oder man an ihr spart. Sie ist nicht so sichtbar wie schöne Möbel oder die Beleuchtung, sodass man erst dann daran denkt, wenn die Mitglieder des Coworking-Spaces anfangen, sich zu beschweren. Dabei lässt sie sich bereits bei der Planung berücksichtigen, was immer kostengünstiger ist als eine nachträgliche Lösung.

Dritter Grund: Der Lombard-Effekt

Hinzu kommt ein Phänomen, das das ganze Problem noch verschlimmert. Wenn in einem Raum Lärm herrscht, erheben die Menschen unbewusst ihre Stimme, um gehört zu werden. Dadurch wird der Lärm noch verstärkt, woraufhin alle mit einer weiteren Erhöhung ihrer Stimme reagieren. Es entsteht eine Lärmspirale, die sich in einem halligen, schallreflektierenden Raum sehr leicht ausbreitet. Fachlich wird dieses Phänomen als Lombard-Effekt bezeichnet.

Wie lässt sich eine gute Akustik messen?

Im Gegensatz zu einem gewöhnlichen Raum, in dem es ausreicht, die Nachhallzeit zu messen, wird die Akustik offener Räume komplexer bewertet. Dazu wird die Norm ISO 3382-3 herangezogen, die spezifische Kennzahlen für Großraumbüros festlegt, beispielsweise die Entfernung, ab der Sprache nicht mehr verständlich ist (die sogenannte Streuungsentfernung). Das Ziel einer guten Akustik in Großraumbüros ist nicht völlige Stille, sondern dass Sprache vom Nachbartisch nicht verständlich zu Ihnen dringt und Sie nicht stört.

Wie lässt sich die Akustik in einem Coworking Space verbessern?

Jeder Raum ist anders, daher gibt es keinen allgemeingültigen Ratschlag. Im Allgemeinen werden jedoch mehrere Ansätze kombiniert:

Schallabsorbierende Flächen. Grundsätzlich sollten Materialien in den Raum eingebracht werden, die Schall absorbieren und den Nachhall verkürzen:

  • Akustikdecken und Deckenelemente sind in der Regel am wirksamsten, da die Decke die größte freie Fläche darstellt.
  • Akustikpaneele für Wände auf großen, kahlen Flächen.
  • Hängende Akustikelemente (Akustikplatten) bei hohen Decken.

Raumaufteilung. Akustikwände zwischen den Tischen und Trennwände dämpfen die Schallausbreitung zwischen den Arbeitsplätzen und sorgen für etwas mehr Privatsphäre.

Ruhige und laute Bereiche. Es hat sich bewährt, Bereiche für konzentriertes Arbeiten von Bereichen für Gespräche und Besprechungen zu trennen und für Telefonate schallisolierte Telefonkabinen einzurichten.

Geräuschmaskierung. In anspruchsvolleren Großraumbüros kommt auch eine kontrollierte Geräuschmaskierung zum Einsatz, d. h. ein System, das ein leises, gleichmäßiges Rauschen auf Hintergrundpegel in den Raum abgibt. Dieses überdeckt entfernte Gespräche und verringert deren Störwirkung, sodass die Sprache von weiter entfernten Tischen mit dem Hintergrund verschmilzt und nicht mehr stört. Es handelt sich dabei nicht um einen Ersatz für schallabsorbierende Flächen, sondern um eine Ergänzung dazu.

Die genaue Lösung und die Größe der schallabsorbierenden Fläche hängen von der Größe und Form des Raums ab und lassen sich berechnen.

Zusammenfassung

  1. Die schlechte Akustik in Coworking-Räumen kann auf harte Oberflächen, Glas und den offenen Raum zurückzuführen sein.
  2. Ein langer Nachhall verstärkt den Lärm und beeinträchtigt die Sprachverständlichkeit.
  3. Der Lombard-Effekt verschärft das Problem, die Leute reden durcheinander.
  4. Der Open Space wird gemäß ISO 3382-3 bewertet, wobei es um die Sprachverständlichkeit über eine gewisse Entfernung geht.
  5. Dies wird durch absorbierende Flächen, die Aufteilung in Zonen und gegebenenfalls durch Maskierung gelöst.

Wenn Sie einen Coworking-Space oder einen Open-Space-Bereich betreiben und die Akustik verbessern möchten, beraten wir Sie gerne. Wir entwerfen eine Kombination aus verschiedenen Lösungen, die auf Ihre Räumlichkeiten zugeschnitten ist, und Sie können die benötigte schallabsorbierende Fläche mit unserem Akustik-Rechner grob berechnen.

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